Die globale Gier nach Riesen-Renditen hatte gleichermaßen Verstand und Anstand gefressen, so wurden Kredite – die Schulden anderer – über den ganzen Globus hin und her verkauft, hemmungslos Luftschlösser aus exotischen Finanzprodukten gebaut und unentwegt aufgepumpt; und Fonds-Manager, die am meisten riskierten, sonnten sich in ihrem Ruf als millionenschwere Monopoly-Monarchen. Als die Luftschlösser zu wackeligen Kartenhäusern mutierten und in sich zusammenfielen, drängten die wertlosen Trümmer ganze Volkswirtschaften an den finanziellen Abgrund, Investoren vom kleinen Sparer bis zum Großanleger verloren nicht selten Hab und Gut. Hinzu kam eine Vertrauenskrise, die einen Domino-Effekt auslöste und die Börsen von einem Chaos ins nächste stürzte.
Aus heiterem Himmel fiel die Misere nicht, für Experten war das alles voraussehbar. Aber die Warnungen der Kritiker fanden kein Gehör, schließlich war doch immer alles gut gegangen seit dem Schwarzen Freitag vor 80 Jahren an der New Yorker Wallstreet. Trotzdem wollen einige immer noch nicht einsehen, dass es verantwortungsloser Unsinn ist, wenn Banken Kredite vergeben, um sie gleich wieder mit Gewinn weiter zu verkaufen. Damit fehlt die notwendige Bonitätsprüfung, weshalb gigantische Kreditausfälle vorprogrammiert sind. Doch bis dahin ist erst einmal Party angesagt, weil die leichtsinnig zur Verfügung gestellten Gelder erst einmal sorglos ausgegeben werden. Alle leben quasi eine gewisse Zeit über ihren Verhältnissen, was sich zwangläufig rächen wird. Und so ging es bis zum letzen Atemzug zu wie einst auf der Titanic: Selbst als der Eisberg schon riesige Lecks gerissen hatte, feierte die prächtig verdienende Abzockergilde noch zu harmonischen Orchesterklängen. Dabei war der milliardenschwere Luxusliner längst auf dem Weg in die Tiefe, den Mythos von der unsinkbaren Marktwirtschaft mit sich reißend.
